Einer der großen Vorteile des Laufens ist, dass du nicht viele Kleidungsstücke brauchst. Zumindest am Anfang genügen als Laufkleidung ein paar ordentliche Laufschuhe, Socken, eine Jogginghose, ein T-Shirt, für Frauen ein Sport-BH und eventuell noch ein langarmiges Hemd oder eine Jacke. Fertig.
Gute Laufkleidung leitet den Schweiß nach außen
Wenn du feststellst, dass Laufen ein fester Bestandteil deines Lebens geworden ist, dann kannst du dir mehr Gedanken über deine Laufkleidung machen. Und stößt dann ziemlich schnell auf den Begriff „Funktionskleidung“. Was das ist, lässt sich gut im Vergleich mit einem klassischen T-Shirt erklären. Wenn du in dem eine halbe Stunde lang läufst, ist es vermutlich tropfnass. Die Baumwolle saugt den Schweiß auf. Im Sommer macht das nichts, denn es ist ja warm draußen. Im Winter aber kannst du dir damit leicht eine Erkältung holen – selbst dann, wenn du noch etwas darüber trägst.
Funktionskleidung aus unterschiedlichen Materialien
Hier kommt die Funktionskleidung ins Spiel. Die Fasern, aus denen sie hergestellt ist, saugen den Schweiß nicht auf, sondern leiten ihn von der Haut nach außen. Du bleibst also weitgehend trocken. Möglich ist das durch unterschiedliche Materialien. Am bekanntesten und verbreitetsten sind Kunstfasern wie Polyester. Ihre Vorteile: Sie bringen dich nicht sehr ins Schwitzen, leiten Feuchtigkeit ab und halten dich an kalten Tagen warm. Außerdem trocknen sie schnell.
Auch Polypropylen wird gerne eingesetzt. Es hat ähnliche Eigenschaften wie Polyester und ist sehr abriebfest.
Es geht auch nachhaltig
Einige Sportmarken verwenden inzwischen recycelte Kunstfasern. Sie werden aus alten PET-Flaschen oder Fischernetzen hergestellt und sind deshalb umweltfreundlicher. Du erkennst sie zum Beispiel an der Bezeichnung „Econyl“.
Naturmaterialien und Zertifikate

Inzwischen werden immer mehr auch Naturmaterialien eingesetzt. Merinowolle ist so eines. Sie wärmt besser als Polyester, transportiert ebenfalls den Schweiß und hat den großen Vorteil, dass du die Kleidung nicht nach jedem Tragen waschen musst: Die Wolle nimmt Schweißgeruch nicht so an wie Kunstfasern. Im Sommer kühlt sie ein bisschen und du hast nie das unangenehme Gefühl, ein nasses Kleidungsstück zu tragen.
Zu den neuen Materialien, die sich auch gut für Sportkleidung eignen, gehört Tencel, das aus Holzfasern hergestellt wird.
Übrigens: Wenn du bei deiner Laufkleidung (aber nicht nur dort) auf Nachhaltigkeit setzt, kannst du auf Zertifikate wie den Öko-Tex-Standard 100, Bluesign oder Cradle to Cradle achten. Bei Merinowolle weist der Hinweis auf den Verzicht von „Mulesing“ darauf hin, dass den Schafen eine schmerzhafte Prozedur gegen Parasitenbefall erspart wurde.
Das Zwiebelprinzip
Aber was soll man nun beim Laufen tragen? Ich bin ein Fan des Zwiebelprinzips. Was auch daran liegen könnte, dass ich eine ziemliche Frostbeule bin. Mit mehreren Schichten bin ich auf der sicheren Seite und kann, wenn es mir zu warm werden sollte, eine Schicht ausziehen.
Die einzelnen Schichten
Die unterste Schicht, Baselayer genannt, kann ein Funktions-Shirt sein. Darüber kommt dann ein langärmliges Hemd als Midlayer. Wenn es trocken ist, passt als äußere Schicht eine Softshell-Jacke. Das Material transportiert ebenfalls die Feuchtigkeit nach außen, ist angenehm zu tragen und schützt dich vor leichtem Wind. Manche sind leicht wasserabweisend, aber wenn es richtig regnet, ist eine Hardshelljacke aus wind- und wasserfestem Material besser.
Wasserdicht und wasserabweisend
Aber Vorsicht, hier gibt es feine Unterschiede: Es gibt nämlich wasserdichte, aber auch wasserabweisende Materialien bei der Laufkleidung. Hier kommt die sogenannte Wassersäule ins Spiel. Sie gibt an, bei welchem Wasserdruck der Stoff wasserdurchlässig wird. Ab einem Wert von 1500 Millimetern gilt der Stoff als wasserdicht. Für Outdoorkleidung, zu der auch eine Hardshelljacke fürs Laufen gilt, ist eine Wassersäule ab 10.000 Millimetern als empfehlenswert. Ich trage eine Salomon Bonatti Trail Jacket, deren Wassersäule bei 20.000 Millimetern liegt. Sie hat mir schon mehrfach bei heftigen Regengüssen sehr gute Dienste geleistet.
Laufhosen von kurz bis superwarm
Bei den Hosen ist die Auswahl groß. Im Sommer genügen Shorts oder knielange Tights. Wenn es kälter wird, ist eine lange Tight oder Laufhose zu empfehlen. Und im Winter ist eine spezielle Winter-Tight aus einem dickeren Material die richtige Wahl (alternativ kannst du unter deiner Laufhose eine lange Unterhose aus einem Funktionsmaterial, etwa Merinowolle, tragen).
Augen auf beim Socken-Kauf
Nun kommen wir zum zweitwichtigsten Teil der Laufkleidung: den Socken. Die sollten gut anliegen und keine Falten werfen, sonst riskierst du Blasen. Gute Laufsocken haben anatomische Fußbetten, sie bestehen aus schweißabweisendem Material und sind oft in Bereichen wie Zehen, Ferse und Sohle stärker gepolstert. Es gibt dünne für warmes und dicke für kaltes Wetter. Viele Socken haben keine Nähte. Und: Weil Frauenfüße anders sind als Männerfüße, gibt es eigene Socken für beide Geschlechter. Gute Socken sind zudem meist speziell auf den rechten und den linken Fuß zugeschnitten.
Ob du knöchelkurze oder knielange Strümpfe nimmst, ist dir überlassen. Allerdings schwören viele Läufer auf Kompressions-Kniestrümpfe, die die Wadenmuskeln entspannen soll. Probiere es einfach mal aus.
Lieblingsthema: die Laufschuhe
Die Laufschuhe schließlich sind eine Wissenschaft für sich. Und sie werden auch in diesem Blog eine wichtige Rolle spielen – wir stellen immer wieder Modelle vor. Wenn du mit Laufen beginnst, muss es (noch) nicht unbedingt der Hightech-Spitzenschuh sein, aber auf gute Qualität solltest du trotzdem achten, denn sie sind es, die den Aufprall deines Körpers dämpfen und deinen Fuß stabil halten müssen. Am besten ist es, wenn du in ein gutes Sportgeschäft gehst und dich beraten lässt.
Lass dich beraten!
Der Verkäufer fragt dich, wie oft du läufst, welchen Untergrund du bevorzugst (eher Asphalt oder eher Waldboden), und dann empfiehlt er dir ein paar Modelle.
Achte bei der Größe darauf, dass die Schuhe ein, zwei Nummern größer sind als deine normalen Alltagsschuhe.
Normal- oder Stabilschuh?
Auf einem Laufband oder auf der Straße vor dem Geschäft kannst du ein paar Schritte laufen, um zu sehen, ob irgendetwas drückt. Der Verkäufer guckt, ob du eventuell Fehlstellungen hast, d.h. zum Beispiel nach außen oder innen knickst – dafür gibt es dann spezielle Schuhmodelle, die das ausgleichen können. Wenn du keine Fußfehlstellungen hast, wird dir der Verkäufer vermutlich einen Normalschuh empfehlen, und wenn du nach innen knickst, eher einen Stabilschuh.
Mit der Sprengung, also mit der Höhen-Differenz zwischen Vorfuß und Ferse, wirst du dich anfangs kaum beschäftigen, aber auch hier weiß der Verkäufer Bescheid. Faustregel: Für Menschen, die beim Laufen zuerst mit der Ferse aufkommen, ist eine Sprengung ab sechs Millimeter ideal, für Mittel- oder Vorfußläufer eine geringere. Um 120 bis 140 Euro musst du für deine neuen Laufschuhe einkalkulieren. Frag aber im Laden ruhig auch nach Auslaufmodellen, die günstiger sind.
Laufkleidung: Auch auf die Accessoires kommt es an
Was jetzt noch kommt, sind Accessoires wie eine Mütze (im Winter unbedingt nötig, weil du viel Wärme über den Kopf verlierst) und eventuell Handschuhe. Greife auch hier am besten zu atmungsaktiven Materialien.
Weitere wichtige Begleiter wie Sportuhren und Laufgürtel bzw. -rucksäcke zum Transportieren von Extra-Kleidung, Wasser und Energieriegeln stellen wir dir in anderen Artikeln vor.